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Kampf der Titanen: Microsoft vs. Sony

Der Microsoft-Deal und der Wandel in der Gaming-Welt

Das Gaming-Jahr 2022 begann mit der größten Firmenübernahme in der Geschichte der Videospielindustrie: Am 18.01.2022 gab der Technologie-Gigant Microsoft die Übernahme des Computer- und Videospielkonzerns Activision Blizzard bekannt. Satte 68,7 Milliarden US-Dollar will Microsoft für Activision Blizzard, nach Aktienwert einer der größten Spiele-Publisher der Welt, zahlen. Mit dem Kauf von Activision Blizzard begibt Microsoft sich nun, zusammen mit dem Konkurrenten Sony und der chinesischen Firma Tencent, in die Riege der Top 3 der größten Spieleentwickler der Welt. Die endgültige Übernahme des Konzerns durch Microsoft soll allerdings erst Mitte 2023 erfolgen, da das US-Kartellamt sowie die Aktionär:innen von Activision Blizzard der Übernahme noch zustimmen müssen.

Laut einer Statistik von statista.com aus dem zweiten Quartal des Jahres 2021 sieht die Top-Ten der größten war das chinesische Unternehmen Tencent mit einem Umsatz von rund 7,9 Milliarden US-Dollar das führende Unternehmen im Bereich Videospiele. Platz 2 nahm Sony mit 4,1 Milliarden US-Dollar und Platz 3 Apple mit 3,6 Milliarden US-Dollar ein. Die folgenden Plätze belegten Microsoft (2,9 Milliarden US-Dollar), Google (2,7 Milliarden US-Dollar) und NetEase (2,2 Milliarden US-Dollar). Nachstehend, auf Platz 7, landete Activision Blizzard mit 2,1 Milliarden US-Dollar – diejenige Firma, die fortan zu Microsoft gehören wird. Nintendo, EA und Cyber Agent bilden Platz 8, 9 und 10 auf der Rangliste der 10 führenden Unternehmen im Bereich Game-Publishing.


Der Beginn des Jahres 2022 würfelt diese Liste nun durcheinander: Mit dem Kauf von Activision Blizzard wird Microsoft Apple ablösen und nimmt somit Platz 3 im Ranking der größten Publisher ein. Diese Liste betrachtend gerät man automatisch ins Munkeln, wer wohl der nächste auf der Einkaufsliste des Milliardenkonzerns Microsoft stehen könnte. Sieht man sich die Einkaufslaunen des Unternehmens an, so ist es durchaus möglich, dass als nächstes einen gewaltigen Publisher wie EA übernommen wird. Der japanische Konzern Nintendo ist dafür bekannt, sein eigenes Ding durchzuziehen. Der Konzern setzt auf ihre hauseigenen Produkte, die eigens für die Marke Nintendo hergestellt wurden. Falls euch konkret interessiert, welche Rolle Nintendo in diesen Zeiten spielt, hat unser Partner dailygame.at einen lesenswerten Beitrag dazu veröffentlicht.

Doch was ist Activision Blizzard überhaupt? Activision Blizzard ist ein Zusammenschluss verschiedener Studios, die hinter weltweit bekannten Franchises Call of Duty (dem größten Shooter überhaupt), Diablo, World of Warcraft, Starcraft, Overwatch, dem Handyspiel Candy Crush und vielen weiteren stehen. Wenn ein Vergleich zur Filmindustrie gezogen werden sollte, so wäre Activision Blizzard in etwa vergleichbar mit Disney. Schon im Herbst 2020 überrasche Microsoft mit dem Kauf des Bethesda-Mutterkonzerns Zenimax für etwa 7,5 Milliarden und sicherte sich eine nennenswerte Position auf dem Spielemarkt. Mit dem Kauf von Activision Blizzard verschiebt sich das Kräftegleichgewicht nun noch einmal mehr zugunsten Microsofts – und das in einem gewaltigen Ausmaß.

Der Publisher Activision Blizzard steht allerdings nicht das erste Mal im Rampenlicht der Medien. Im Herbst letzten Jahres war das Unternehmen in schwere Vorwürfe, darunter Vorfälle sexueller Belästigung am Arbeitsplatz und Diskriminierung, verwickelt. Microsoft bezog in einem Statement zur Übernahme nicht direkt Stellung zu den schwerwiegenden Anschuldigungen des letzten Jahres, verkündete jedoch dass sich „die inklusive Firmenkultur von Microsoft auf die großartigen Teams von Activision Blizzard ausweiten“ würde.

Was bedeutet der Deal für die Gaming-Welt?

Der Milliarden-Deal bietet für Fans der Xbox und Nutzer:innen des Game Pass, einer Art Netflix für Spiele aus dem Haus Microsoft, keine schlechten Aussichten, da größere Spielereihen in naher Zukunft auf dem genannten Service erscheinen dürften. Anhänger:innen der PlayStation werden allerdings zu kurz kommen, da durch Exklusiv-Deals beliebte Spielreihen wie Call of Duty oder World of Warcraft nur noch auf Microsofts hauseigener Plattform oder aber deutlich später für andere Plattformen wie Sony erscheinen könnten. Für zukünftige Spiele, die sich gerade in Planung befinden, wie etwa Diablo 4 oder Overwatch, sicherte Microsoft jedoch eine plattformübergreifende Veröffentlichung zu. In Zukunft werden also populäre Titel – wie im Falle von Bethesdas Starfield – ausschließlich für die Xbox erscheinen.

Nach Verkündung der Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft verlor die Aktie von Sony ganze 13% an Wert, was an einer fehlenden Alternative zum Game Pass liegen könnte. Während die Branche – wie beispielsweise unsere Kolleg:innen bei der gameswirtschaft.de – noch rätselte, was die nächsten Schritte der Unternehmen sein werden, ließ eine Reaktion nicht lange auf sich warten. Auf den Milliardendeal konterte Sony am 31.01.2022 mit der Übernahme von Bungie und sichert sich damit das Studio hinter den bekannten Spielereihen Halo und Destiny. Die Ironie der Geschichte: Die Ego-Shooter-Spielserie Halo war einst Teil von Microsoft und eines der wichtigsten Aushängeschilder des Unternehmens. Als Bungie sich 2007 von Microsoft trennte, behielt Microsoft die Rechte an Halo, weshalb Sony nun insbesondere von der Weiterentwicklung der Destiny-Reihe profitieren dürfte.

Der Trend der Mega-Deals in der Gaming-Branche ist noch lange nicht vorbei – im Gegenteil – vielleicht beginnt er gerade erst. Startet nun die Ära des großen Aufkaufens? Schnappt Microsoft sich als nächstes wirklich EA oder gar CD Projekt? Wir denken, dass es nun gilt, die Verschiebung des Machtverhältnisses zugunsten von Microsoft bezüglich einer sich entwickelnden Monopolstellung auf dem Markt aufmerksam zu beobachten. Die Konkurrenz wird vernichtet – oder ist teils gar nicht mehr wirklich ernst zu nehmen. Microsoft setzt darauf, dass man um eine Xbox nicht mehr herumkommt, will man die Welt der Games genießen. Der Konzern wird womöglich in Zukunft versuchen, weitere Unternehmen einzukaufen – bis das Kartellamt mahnend den Finger erhebt.

Foto von Salvatore De Lellis von Pexels